Exkursion nach Brüssel - 28. - 31. April 2019

Exkursion nach Brüssel (28.04- 31.04)

Die Prüfungsphase soeben abgeschlossen, hieß es am Donnerstag, dem 28.03.2019 früh aufstehen, denn die Studienfahrt nach Brüssel stand an. So machten sich 43 Studierende des Jahrgangs 2017 für Business Administration und Business Administration & IT der PHWT Vechta auf den Weg zur belgischen Hauptstadt. Durch ein attraktives Programm überzeugt, wurde der Jahrgang von Evelyn Köhnke, Annette Grote sowie Prof. Dr. Elmar Reucher begleitet.

Unser erster Programmpunkt am Nachmittag war die Stadt Leuven, welche in der Provinz Brabant liegt. Nun fragt man sich, warum wir in einer eher unbekannten Stadt wie Leuven halten, obwohl Brüssel nicht mehr weit entfernt liegt.  Die Antwort ist erfrischend schmackhaft und lautet Bier! Belgien und Bier sind Begriffe, die fest miteinander verbunden sind und bekräftigt wird das mit der Entscheidung der UNESCO das belgische Bier im Dezember 2016 auf die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes zu setzen. Auch wenn wir Deutschen stolz auf unser Reinheitsgebot und unsere Biervielfalt sind und sein können, liegt nun einmal die heimliche Welthauptstadt des Bieres eben in Belgien und heißt Leuven. Dem Thema naheliegend haben wir dann die Brauerei Stella Artois besichtigt. Neben einer Betriebsführung durch die riesige und hoch moderne Anlage lernten die Studierenden ebenfalls den Brauprozess in interaktiven Schritten kennen. Im Hauptgebäude angekommen stellten einige Studierenden zu ihrem Erstaunen fest, dass kein einziger Mensch zwischen den Braukesseln aus Edelstahl hin und her flitzte. Stattdessen saßen sie in einem gläsernen Kasten hinter unzähligen Monitoren versteckt und wirkten nicht wie das typische Bild eines Braumeisters. Beim anschließenden Blick auf die riesige Abfüllanlage, in der neben Stella auch andere Biere wie Leffe abgefüllt werden, wurde einem dann nochmal deutlich, was Prozessoptimierung und technologischer Fortschritt bedeutet. Zum krönenden Abschluss durfte dann auch ein frisch gezapftes Pils vom Fass sicherlich nicht fehlen, welches typischerweise nicht mit Krone, sondern gekonnt abgestrichen überreicht wurde. Anschließend ging es weiter Richtung Brüssel und am frühen Abend erreichten wir unser im Europaviertel gelegenes Hotel.

Der nächste Tag begann für uns gewohnt früh und bestand aus einem Besuch des Europaparlaments und einer Betriebsbesichtigung des European Logistic Campus von Nike in Laakdal und Ham. Nach einem reichhaltigen Frühstück im Hotel, folgten wir der Einladung des Europaabgeordneten Dr. Stefan Gehrold (CDU) in das Europaparlament. Hier wurde uns ein besonderer Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Verantwortungen gewährt. Im Anschluss wurden wir selbst angeregt politisch aktuelle Themen zu hinterfragen. So wurde der Brexit, speziell mit den möglichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft diskutiert. Ebenso wie der frisch beschlossene Artikel 13 des Urheberrechts, der besonders bei uns jungen Menschen nicht unbedingt Begeisterung ausruft. Festzustellen war, dass während unseres Besuchs im Europaparlament eine außergewöhnliche Ruhe herrschte. Hauptgrund hierfür war die zu dem Zeitpunkt stattfindende Straßburg-Woche, in welcher die meisten Abgeordneten im französischen Sitz des Europaparlaments verweilten. Übrigens werden während einer solchen Woche in allen Ressorts zusammen bis zu 700 Beschlüsse gefasst und abgestimmt.

Nach einer kurzen Stärkung fuhren wir zum scheinbar endlosen Areal in Laakdal, welches Nike als Standort für seine europäische Logistikzentrale ausgewählt hat. Rund 50 Kilometer vom belgischen Antwerpen entfernt wird der Slogan, DREAM BIG, mit dem European Logistic Campus von NIKE wirklich gelebt und zeichnet sich durch seine besondere Lage aus. Neben einer direkten Anbindung an die Autobahn führt auch eine mehrspurige Eisenbahntrasse an dem Standort vorbei. Zudem liegt ein Containerhafen, der hauptsächlich von NIKE genutzt wird, direkt neben dem Areal. Schon hier zeigt sich warum NIKE Laakdal, das zentral in Europa gelegen ist, als logistischen Hauptstandort ausgewählt hat.

 Empfangen wurden wir von Ben Beddegenoots dem Manager des LITC. LITC steht für Logistics Innovation and Training Center und ist ein Treffpunkt für kreative Meetings, Schulungen und Vorträge rund um das Thema Logistik. Durch den Kontakt zu Ben war es uns dann auch erst möglich die Besichtigung beider Bereiche, Apparel sowie Shoes, an einem Freitagnachmittag zu erleben, was besonders mit Blick auf die Größe der Gruppe nicht selbstverständlich war. Nach einer anfänglichen und sehr unterhaltsamen Präsentation über die Entstehung von NIKE und einigen kleinen unvermeidlichen Seitenstichen gegenüber dem deutschen Konkurrenten ADIDAS, haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt, die anschließend jeweils einen der beiden erwähnten Bereiche besichtigten. Wobei Bereiche der Größenordnung nicht gerecht wird. Auf einer Länge von ungefähr 2,3 Kilometern befinden sich die beiden Logistikzentren, die durch den Hafen getrennt werden. Der Gebäudekomplex WINGS, Department Shoes, wurde erst im Jahr 2016 fertiggestellt. Das Gebäude gehört zu den modernsten Logistikanlagen der Welt und setzt somit aktuell Maßstäbe in der Logistikbranche. Aufgrund des Designs und der einhergehenden Nachhaltigkeit wurde es bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Es verfügt über eigene Windkrafträder und eine Solaranlage. Außerdem wird neben gesammeltem Regenwasser auch Wasser aus dem eigenen See zur Spülung genutzt und anschließend wiederaufbereitet. Besonders auffällig ist die Fassade mit seiner grünen und bienenfreundlichen Bepflanzung. Beeindruckend sind auch die Zahlen, die hier bewerkstelligt werden. Die beiden vollautomatisierten Hochregallager sind jeweils 81 Meter breit, 100 Meter lang und 42 Meter hoch. Im Chaossystem werden hier über 18 Millionen Paar Schuhe gelagert und täglich circa 500.000 Paare versendet. Am Black Friday Sale wurde ein neuer Rekord aufgestellt, denn vom gesamten Standort Laakdal wurden an diesem einen Tag über 1 Million Bestellungen verschickt. Grundsätzlich beliefert der Standort ganz Europa und Nordafrika für die Bereiche Großhandel, Stores und E-Commerce. Zwischen Klick im Onlineshop und dem Erhalt der Ware liegen durchschnittlich nur 48 Stunden und zwar in ganz Europa. In Berlin kann der Kunde mit Glück sein Paar Schuhe oder die neue Trainingshose schon nach 16 Stunden in der Hand halten und direkt sportlich durchstarten. Wir könnten jetzt den Bericht mit Superlativen endlos fortsetzen, aber der Boom lässt sich damit verdeutlichen, dass NIKE noch während der Bauphase im Jahr 2016 beschlossen hat das WINGS Gebäude sofort gespiegelt nochmal zu bauen. Die ersten Auslieferungen sollen in dem neuen Komplex schon im April 2019 beginnen. Es wurde deutlich, wie wichtig der Faktor Zeit in einem Unternehmen wie Nike ist… und wie sehr mit einem Augenzwinkern gegen den Konkurrenten ADIDAS stichelt. Denn bevor die Führungen starteten, waren neben der Sicherheitsweste auch Stahlkappen zum Umschnallen Pflicht und alle ADIDAS Träger durften direkt ihr Schuhwerk gegen Sicherheitsschuhe austauschen.

 Am späten Abend erreichten wir wieder unser Hotel und der Freitagabend stand uns Studierenden frei zur Verfügung. So zog es einige in das Nachtleben der belgischen Hauptstadt, welches sehr zu empfehlen ist, und sich preislich sogar als recht studentenfreundlich erwies.

 Unser Programm für den Samstag begann früh morgens: Wir starteten mit einer Stadtrundfahrt durch Brüssel. Neben dem Atomium, dem Grote Markt, welcher einen beeindruckenden Mix aus italienischem Barock und flämischen Dekor präsentiert, und dem Rathaus mit seinen wunderschönen Fassaden, kam die Reisegruppe in den süßen Genuss der Lebenskultur Belgiens: Schokolade und Pralinen. So wurde die in einem Hinterhof gelegene Chocolaterie Concept Chocolate besucht. Unser Gastgeber hat uns voller Enthusiasmus die Welt der Schokolade nähergebracht. Als Highlight durften ein paar Studenten selbst tätigt werden und einige Pralinen herstellen die später in der Runde genossen wurden. Wie groß die Unterschiede zwischen den Qualitäten, der Herkunft und Verarbeitung liegt war eindrucksvoll. Anschließend haben wir unsere Rundfahrt durch die Stadt fortgesetzt, die mit einigen interessanten Anekdoten über die ansässigen Gilden im Herzen von Brüssel endete. Von hier aus wurde die Innenstadt auf eigene Faust weiter erkundet oder es wurden Souvenirs für Freunde und Familie gekauft.  Am Abend sind wir als gesamte Gruppe noch einmal zusammengekommen und fanden uns für einen abschließenden Kursabend in einem netten Restaurant ein. In einem vorab gebuchten separaten Bereich wurde neben hervorragendem Essen auch die wirklich tolle Gemeinschaft im Jahrgang nochmals gestärkt. Für viele Lacher und eine große Portion Spaß sorgte dann das heimliche Highlight der Tour. Grund dafür waren Verstöße gegen unser höchstes Credo. Pünktlichkeit. Pünktlichkeit war nämlich die ganze Reise über wirklich wichtig für uns und so wurde schon bei leichter Verspätung das schwarze Buch für Verfehlungen gezückt. Als Resultat mussten einige Kommilitonen eine aufgetragene Aufgabe erfüllen.  Als kleine Strafe sollten Gedichte mit Bezug auf den gemeinsamen Aufenthalt in Brüssel vortragen werden. Neben viel Witz und Charme wurden dabei alle Erwartungen übertroffen und das eine oder andere Dichtertalent entdeckt. Rundum war der gemeinsame Abend ein schöner Ausklang für eine gelungene Fahrt.

In der Hauptstadt Belgiens haben wir nicht nur viel Neues gesehen und erlebt, sondern konnten grundsätzlich den Zusammenhalt des Jahrgangs innerhalb der kurzen Zeit enorm stärken. Es war schön mal etwas Zeit außerhalb des stressigen Unialltags zu verbringen und Persönlichkeiten, die eher als ruhig oder zurückhaltend wahrgenommen wurden, blühten in der kurzen Zeit auf. Zusammenfassend können wir sagen, dass die vorrangegangenen Monate mit der schwierigen Phase der Zielfindung, dem Überwerfen der ersten Wahl Krakau und dem Ausarbeiten eines nicht alltäglichen Programms in der richtigen Entscheidung endeten. Brüssel ist eine Reise wert und wir waren gerne Gäste in dieser doch erfrischend lebendigen Stadt. Vielen Dank an Höffmann Reisen für das tolle Hotel und eine klasse Busfahrt, an Ben vom LITC NIKE, an das Team von Dr. Stefan Gehrold, an die Chocolaterie Concept Chocolate, der Brauerei Stella Artois und alle anderen, die diese Tour ausgemacht haben. Ein besonders großes Dankeschön geht an das Präsidium der PHWT für ihre Unterstützung sowie die Möglichkeit eine selbständige Studienfahrt auszurichten.